Warum wir wieder alte Märchen brauchen

In letzter Zeit sehe ich immer mehr Geschichten in sozialen Medinen. Egal ob TikTok, Instagram oder Facebook – überall begegnen uns Geschichten. Doch es sind keine Märchen mit Hexen, Feen, Prinzessinnen oder Froschkönigen. Es sind die modernen Märchen unserer Zeit: Erzählungen von den angeblich „aufopferungsvollen, fehlerfreien Helden“ und den „bösen, reichen Schurken“.

Diese digitalen Geschichten sind oft genauso unrealistisch wie die alten Volksmärchen der Gebrüder Grimm. Doch es gibt einen gefährlichen Unterschied: Sie verkaufen Fiktion als Realität – und sie fangen vor allem unsere Kinder in einer künstlichen Neugierschleife. Die Eltern sind gefordert hier einzuschreiten, es ist ein gefährlicher Irrweg.

Gefangen in der Klickfalle (Die „Social-Media-Märchen“)

Wer kennt es nicht? Ein kurzes Video ploppt auf, die Spannung wird künstlich hochgehalten. Man kann nicht vorspulen, man muss wissen, wie es ausgeht. Plattformen nutzen psychologische Tricks, um vor allem die Neugier von Kindern zu melken. Am Ende steht oft keine tiefere Moral, sondern nur die nächste Werbeeinblendung oder ein populistisches Feindbild.

Bereits im Jahr 2011 zeigte Stephanie zu Guttenberg in ihrem bekannten Buch „Die Märchen-Apotheke“, wie klassische Geschichten Kinderseelen heilen, trösten und stärken können. Doch die Zeiten haben sich rasant geändert. Die größte Herausforderung für Kinderseelen liegt heute nicht mehr im Mangel an Geschichten, sondern in der digitalen Reizüberflutung.

Genau hier schließt sich der Kreis: In ihrem aktuellen Nachfolgebuch „Wir können das besser!“ widmet sich die Autorin genau dieser neuen, digitalen Realität. Sie warnt eindringlich vor den Suchtschleifen der Algorithmen und plädiert dafür, Kindern im echten Leben wieder Halt und echte Medienkompetenz zu schenken. Denn die künstlichen Social-Media-Märchen füttern nicht die Fantasie – sie rauben uns die Aufmerksamkeit und sperren uns auf dem heimischen Sofa ein.

Echte Märchenerzähler statt Algorithmen

Albert Einstein sagte einmal: „Wenn du intelligente Kinder willst, dann lies ihnen Märchen vor.“ Warum? Weil beim Vorlesen oder freien Erzählen eine gesunde, aktive Neugier entsteht. Das Tempo bestimmen wir selbst. Wir können innehalten, nachfragen und die Bilder im eigenen Kopf entstehen lassen, statt sie im Sekundentakt vorgekaut zu bekommen.

Aber wir können noch einen Schritt weitergehen. Wir müssen nicht in den vier Wänden bleiben und auf Bildschirme starren!

Raus aus der App, rein ins Abenteuer!

Märchen sind seit Menschengedenken unterwegs auf Reisen. Sie wurden von Ort zu Ort getragen, haben Landschaften geprägt und Kultur erschaffen. Statt uns von den Algorithmen der Tech-Riesen steuern zu lassen, sollten wir die Stiefel schnüren.

Ob auf dem GrimmSteig wandern, verwunschene Burgen entdecken, Frau Holles Spuren auf dem Hohen Meißner folgen oder das malerische Flair der Deutschen Märchenstraße einatmen: Auf den Spuren von Märchen zu reisen, bereitet eine ganz andere, tiefere Freude als der ständige Blick aufs Display.

Lassen wir die digitalen Märchenclowns beiseite und werden wir wieder selbst zu Entdeckern. Denn das schönste „Es war einmal“ beginnt noch immer direkt vor unserer Haustür.

📖 Lese-Tipp für Eltern: Vom Märchenbuch zum Smartphone

Literarische Begleitung zum Thema

Wer sich tiefer mit der Heilkraft von Geschichten und den Herausforderungen der digitalen Welt beschäftigen möchte, findet in den Werken von Stephanie zu Guttenberg wertvolle Impulse:

Für die Seele: „Die Märchen-Apotheke“ (2011, Kösel-Verlag)

Ein wunderbarer Ratgeber, der zeigt, wie klassische Märchen gezielt bei Kummer, Ängsten oder Entwicklungsphasen von Kindern helfen können. (Hinweis: Gedruckt meist nur noch gebraucht oder als E-Book erhältlich).

Für den Alltag: „Wir können das besser! Erziehung, Bildung und Leben in der digitalen Realität“ (2022, Plassen Verlag)

Das aktuelle Nachfolgebuch für die moderne Zeit. Es beleuchtet den gesunden Umgang mit Smartphones und sozialen Medien und zeigt, wie wir Kinder vor den psychologischen Klickfallen der Tech-Giganten schützen. Beide Bücher sind von Stephanie zu Guttenberg verfasst worden. 

Wie sehen Sie das?

Ertappst Sie sich auch ab und zu dabei, wie du in der Social-Media-Falle landest, statt ein gutes Buch aufzuschlagen oder einen Ausflug in die Natur zu machen?

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